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Vielschererkrebs Palaeopentacheles roettenbacheri
Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger Info Info

Fossil des Monats Juli 2025

Vielscherer-Krebs mit kammförmigen Klauen

Palaeopentacheles roettenbacheri (MÜNSTER, 1839)

SNSB-BSPG 2022 X 42

Oberjura (Tithonium, ca. 150 Millionen Jahre), Blumenberg, Eichstätt, Oberbayern

Palaeopentacheles roettenbacheri ist ein Zehnfußkrebs aus der Teilordnung Polychelida (Vielscherer). Diese Gruppe ist einzigartig, da sie an den ersten vier (teilweise fünf) Schreitbeinen echte Scheren (Chelae) tragen. Von den fünf bekannten Familien ist nur eine (die Polychelidae) heute noch vertreten. Diese Krebse leben in der Tiefsee (77-5000 m, meistens 500-1500 m) und haben stark reduzierte Augen. Im Gegensatz dazu stammen die fossilen Polychelida größtenteils aus Flachwasser assoziierten Plattenkalken und weisen zumeist gut entwickelte Komplexaugen auf. Folglich ging man lange Zeit davon aus, dass der Ursprung der Polychelida im Flachwasser liegt. Jüngere Studien legen jedoch nahe, dass die Anpassung an große Wassertiefen bereits sehr früh und mehrfach in der Evolutionsgeschichte der Gruppe passiert ist.

Der älteste überlieferte fossile Vielscherer stammt aus der unteren Obertrias (ca. 228-235 Millionen Jahre) von Slowenien. Neuere phylogenetische Studien lassen vermuten, dass der Ursprung der Polychelida möglicherweise bereits im Devon (ca. 372-409 Millionen Jahre) liegt. Die Gruppe war vor allem während des Erdmittelalters sehr divers. Insgesamt sind 69 fossile Arten überliefert. Damit übertraf die fossile Diversität die heutige mit nur 40 lebenden Arten.

Aufgrund der einzigartigen Morphologie seiner kammförmigen Klauen des ersten Schreitbeins wird Palaeopentacheles heute in eine ganz eigene Familie – die Palaeopentachelidae – gestellt. Die Funktion der Klauen ist bis heute nicht eindeutig geklärt, aber mit größter Wahrscheinlichkeit waren sie am Nahrungserwerb beteiligt. Vorstellbar ist, dass sie dazu dienten den Meeresboden nach Beutetieren mit weichem Körper abzutasten, zu harken oder zu durchsieben. Eine Untersuchung der Ontogenese hat ergeben, dass die Larve von Palaeopentacheles fünf Entwicklungsstadien, mit einer zunächst freischwimmenden hin zu einer benthischen Lebensweise, durchlebte. Die Larve teilte bereits einige Merkmale der heute lebenden Polychelidae, war jedoch noch nicht so weit entwickelt.

Das hier ausgestellte Fossil ist Teil der Sammlung HABERL, welche neben Krebsen u.a. auch Insekten, Stachelhäuter, Pflanzen und Fische aus den berühmten Plattenkalken von Solnhofen, Eichstätt, Zandt, Daiting und Painten umfasst. Vor ca. 150 Millionen Jahren bedeckte ein großer Ozean, die Tethys, große Teile Europas. Am Nordrand dieses Meeres entstanden vielerorts, von Riffen gesäumte, Lagunen-ähnliche »Wannen«, in denen sich der sehr feinkörnige Kalkstein ablagerte.

Beschrieben wurde Palaeopentacheles durch den GRAFEN ZU MÜNSTER im Jahr 1839 zunächst als Eryon roettenbacheri. KNEBEL erkannte jedoch 1907 dass die Unterschiede in der Morphologie eine Zuordnung in eine neue Gattung rechtfertigen. Der Artname roettenbacheri wurde zu Ehren des Professor REDENBACHER vergeben, aus dessen umfangreicher Sammlung einige wichtige Krebs-Fossilien stammen.

Melanie Altner, München

Abbildung

Abb. 1: Vielscherer-Krebs Palaeopentacheles roettenbacheri (MÜNSTER, 1839). Eindeutig erkennbar sind die modifizierten kammförmigen Klauen am ersten Paar der Schreitbeine. Länge des Krebses: 4,5 cm. Inv.-Nr. SNSB-BSPG 2022 X 42. Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (153 kB) bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.

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