Fossil des Monats August 2025

Frühes Amphib

Micropholis stowi HUXLEY, 1859

SNSB-BSPG 1934 VIII 43

Untere Trias (ca. 245 Millionen Jahre), Donnybrook, Südafrika

Heutige Amphibien unterteilen sich in drei Gruppen, die Gymnophionen (Blindwühlen), die Caudaten (Salamander) und die Anuren (Frösche). Die Frösche sind davon die bei weitem artenreichste (mehr als 7.800 von den fast 9.000 heutigen Arten von Amphibien) und gleichzeitig eine der am höchsten spezialisierten Gruppen der Amphibien.

Aufgrund der deutlichen anatomischen Unterschiede zwischen heutigen Gruppen war es lange unsicher, ob alle heutigen Amphibien auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, oder ob sie von verschiedenen Ur-Amphibiengruppen abstammen. Inzwischen wissen wir, dass die heutigen Amphibien einen gemeinsamen Vorfahren haben, und dieser Vorfahre gehört zur Gruppe der Temnospondylen, eine wichtige Entwicklungslinie innerhalb der Amphibien, zu denen auch Micropholis gehört.

Die urtümlichen Vertreter der Temnospondylen kommen vom frühen Karbon (vor etwa 350 Millionen Jahren) bis in die späte Unterkreide (vor etwa 115 Millionen Jahren) vor, wobei die Gruppe ihre größte Blüte in der Trias erlangte. Anatomisch ähneln sie am meisten den heutigen Salamandern, wobei der Schädel sehr viel stärker verknöchert ist und auf der Oberseite noch ein Parietalforamen aufweist.

Wie die meisten Temnospondylen war Micropholis offenbar ein semiaquatisches Tier, das sich überwiegend in Gewässern wie Teichen, Seen und Flüssen aufhielt und sich hier von kleinen Fischen und Invertebraten ernährte. Auffällig ist, dass sich in den Fundstellen Südafrikas recht häufig Massenansammlungen von solchen Temnospondylen finden, wie sie auch die hier ausgestellte Platte darstellt. Die Erklärung dafür findet sich im Klima der damaligen Zeit. In der frühen Trias hatte der Superkontinent Pangäa, der alle heutigen Kontinente vereinte, seine größte Integration erreicht. Diese enorme Ansammlung von Kontinentalmasse, umspült von einem riesigen Ozean, führte zu Wetterextremen, bei dem große Teile des Inneren des Kontinentes zu Wüsten wurden, während sich in vielen Küstenbereichen sintflutartige Regenzeiten mit extremen Trockenzeiten abwechselten. Während der Trockenzeiten kam es dann oft zu einer Austrocknung von kleineren Teichen und Seen. Die darin lebenden Amphibien zogen sich somit auf eine immer kleiner werdende Wasserfläche zurück, bis auch diese austrocknete und die dicht gedrängten Kadaver der Tiere übrigblieben – und in idealen Fällen zu Fossilien wurden.

Oliver Rauhut, München

Abbildung

Abb. 1: Ansammlung von fünf Exemplaren von Micropholis stowi, Breite der Platte: 14 cm; Inv.-Nr. SNSB-BSPG 1934 VIII 43; Foto: SNSB-BSPG/G. Janßen.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (137 kB) bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.