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Pannonische Dreikantmuschel, Congeria subglobosa
Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger Info Info

Fossil des Monats September 2025

Pannonische Dreikantmuschel

Congeria subglobosa PARTSCH, 1835

SNSB-BSPG AS I 972

Känozoikum (Neogen, ca. 10 Millionen Jahre), Matzleinsdorf in Wien, Österreich

Dreikantmuscheln (Familie Dreissenidae) gibt es seit dem frühen Eozän, vor etwa 50–56 Millionen Jahre. Während die Diversität im Eozän und Oligozän noch vergleichsweise gering ausfiel, stieg die Anzahl der Arten im Miozän drastisch an. Eine erste Welle der Diversifizierung fand in den Seesystemen der Dinariden in Kroatien und Bosnien-Herzegowina während des mittleren Miozäns statt. Viele Arten waren zu der Zeit endemisch, d.h. beschränkt auf bestimmte Seen. Eine zweite, noch bedeutendere Phase der Artentstehung ereignete sich zur Zeit des späten Miozäns im Pannon-See. Dieses riesige, brackische Ökosystem erstreckte sich zu seiner Blütezeit vor etwa 10 Millionen Jahren von Wien im Westen bis nach Transsylvanien (Rumänien) im Osten, von der Slowakei im Norden bis ins nördliche Serbien im Süden. Der See existierte etwa 7 Millionen Jahre lang, bis er schließlich von der Ur-Donau und anderen Flüssen vollständig mit Sediment aufgefüllt wurde.

Die Dreikantmuscheln des Pannon-Sees zeigen ein eindrückliches Bild morphologischer und ökologischer Evolution. Ausgehend von kleinen, typisch dreikantig geformten Arten entwickelten sich eine Vielzahl unterschiedlicher Schalentypen. Dies reichte von Arten mit ungewöhnlich länglichen Schalen zu riesigen, viereckigen bis kugeligen Formen mit besonders dicken Schalen – wie das hier ausgestellte Stück. Congeria subglobosa ist unter den Dreikantmuscheln eine der größten bekannten Arten. Diese häufige Muschel stellt auch ein wichtiges Zonenfossil für das Zeitalter des mittleren Pannoniums. Wegen ihrer ähnlichen Form wurden Bruchstücke der Art schon im frühen 19. Jahrhundert als »versteinerte Ziegenklauen« beschrieben.

Congerien lebten auf schlammigem, sauerstoffarmem Untergrund. Wegen der oft reichen Anhäufungen dieser Art, wird vermutet, dass sie symbiotisch mit chemosynthetischen Bakterien gelebt haben. Diese haben die nötige Energie geliefert, um in diesem ansonsten lebensfeindlichen Bedingungen zu überleben bzw. die dicken Schalen auszubilden.

Mit dem Verschwinden des Pannon-Sees wie auch anderer brackischer Gewässer rund um das damalige Paratethys-Meer erfuhren die Dreisseniden einen bedeutenden Einbruch. Erst in der jüngeren Vergangenheit breiteten sie sich, v.a. durch den Menschen begünstigt, wieder aus. Seit Mitte des 20. Jahrhundert sind die Zebramuschel (Dreissena polymorpha) und Quagga-Dreikantmuschel (D. bugensis) in vielen Ländern Europas invasiv. Ende des Jahrhunderts wurde sie auch in Nordamerika eingeschleppt.

Thomas A. Neubauer, München

Abbildung

Abb. 1: Pannonische Dreikantmuschel Congeria subglobosa PARTSCH, 1835, aus dem Stadtteil Matzleinsdorf im 5. Wiener Gemeindebezirk; Länge der Muschel: ca. 9 cm; Inv.-Nr. SNSB-BSPG AS I 972. Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (130 kB) bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.

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