Fossil des Monats Dezember 2025

Stromatopore

cf. Actinostroma sp.

SNSB-BSPG 1971 III

Mittleres Devon (Givetium), ca. 385 Millionen Jahre, Sötenicher Mulde, Sötenich, Eifel, NW-Deutschland

Stromatoporen sind eine wichtige Gruppe fossiler wirbelloser Tiere. Sie bilden kalkige, lagige Skelette aus und kommen in sedimentären Kalksteinabfolgen vom Ordovizium bis ins Neogen vor. Ihre Hauptverbreitung haben Stromatoporen im mittleren Paläozoikum (Silur-Devon). In dieser Epoche sind sie bekannt für ihre intensive Beteiligung am Wachstum und der Bildung von Riffen.

Ende der 1960 und Anfang der1970er Jahre wurden bemerkenswerte kalkbildende Schwämme aus tieferen Vorriffbereichen von Jamaika beschrieben. Diese heute lebenden Schwämme besitzen ein Kalkskelett aus den Mineralen Aragonit oder Kalzit und bilden inkrustierende bzw. massive Formen aus. Zusätzlich besitzen sie ein Skelett aus kieseligen Schwammnadeln (Spicula). Das Gewebe dieser Formen zeigt ein System von Kanälen, welches dem Ausstrom von Wasser dient und auch seine Spuren im Skelett hinterlässt, die den Astrorhizen (sternförmige Strukturen auf der Oberfläche, häufig in Verbindung mit warzenförmige Erhebungen, den Mamelonen) der Stromatoporen ähneln. In Verbindung mit dem Vorhandensein von Nadeln (Spicula) wurden Stromatoporen fortan zu den Schwämmen (Porifera) gestellt. Mittlerweile wurden Spicula in vielen mesozoischen und in wenigen paläozoischen Stromatoporen nachgewiesen.

Das Fossil des Monats zeigt sehr schön typische Merkmale der Stromatoporen. Zum einen sind das die warzenförmigen Erhebungen auf der Oberfläche, die zu Lebzeiten des Schwammes die Zentren des Wasserausstroms bildeten. Zum anderen ist es die lagige Struktur, die aus horizontalen Skelettelementen, den sog. Laminae, sowie vertikalen pfeilerartigen Strukturen, den sog. Pilae, bestehen.

Stromatoporen des mittleren Paläozoikums konnten zu bis 5 m großen Individuen heranwachsen und die dominanten Riffbildner darstellen; anders als ihre heute lebenden, eher klein- und langsam wüchsigen Vertreter, die vor allem in Riffhöhlen zu finden sind.
In Mitteleuropa existierte am Südrand des Old-Red-Festlands im Mittel- und Oberdevon ein begrenztes Meeresbecken, der Rhenoherzynische Ozean, in dem sich auf dem festlandsnahen Schelf massive Stromatoporen-Korallen-Riffe bildeten, die heute in den Mittelgebirgen der Eifel, des Sauerlandes und des Bergischen Landes sowie des Harzes aufgeschlossen sind.

Martin Nose, München

Abbildung

Abb. 1: Stromatopore cf. Actinostroma sp., Mittleres Devon (Givetium), ca. 385 Millionen Jahre, Sötenicher Mulde, Sötenich, Eifel, NW-Deutschland; Inv.-Nr. SNSB-BSPG 1971 III,
Maße: 13 x 10 x 6 cm. Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (136 kB) bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.