Turbomesodon sp. aus der Fundstelle Ettling, Jura-Museum Eichstätt

Der Jura rund um Eichstätt

Exkursion am Samstag, den 11.10.2025
Referentin: PD Dr. Christina Ifrim

Es war eine Herbstexkursion im besten Sinne. Das Eichstätter Tal präsentierte sich in den schönen Farben dieser Jahreszeit, und das Wetter war beinahe ideal für den geplanten Steinbruchbesuch. Zuvor jedoch stand das Hauptziel unserer Exkursion auf dem Programm: der Besuch des Jura-Museums Eichstätt auf der Willibaldsburg.

Dort trafen wir unsere Referentin, die Museumsleiterin PD Dr. Christina Ifrim, die uns insbesondere die Highlights des Jura-Museum näherbrachte. Zunächst gab es eine Einführung in die »Basics« der süddeutschen Oberjura-Plattenkalke. Wieso wurden ausgerechnet hier solch weltberühmte Fossilien gefunden? Dazu war ein Blick in die erdgeschichtliche Entwicklung der Gegend nötig, die paläogeographischen und sedimentologischen Voraussetzungen. Das Fundgebiet lag im Oberjura auf einem seichten Schelf, auf dem äußerst feinkörniger Kalkschlamm zum Absatz kam. Der Meeresboden gliederte sich in Mikroben-Schwamm-Riffzüge, zwischen denen die eigentlichen Sedimentbecken lagen, die sogenannten Plattenkalk-Wannen. In diese wurden über mehrere Hunderttausende von Jahren kontinuierlich hinweg Lebewesen aus allen Bereichen der jurassischen Archipel-Landschaft eingetragen: Meerestiere genauso wie Elemente der landlebenden Flora und Fauna. Dies begründe die herausragende Stellung der Oberjura-Plattenkalke in der Forschung, so Museumsleiterin Dr. Ifrim.

Es war der wirtschaftliche Abbau der Plattenkalke, der die Fossilien erst ans Tageslicht brachte – wenn auch zunächst nur als »Beifang«. Der Plattenkalk wurde in der Region vor allem für Legschiefer- und Zwicktaschendächer verwendet, war aber auch überregional als Bau- und Fassadenstein geschätzt. Enormen Aufschwung erfuhr der Abbau durch die Erfindung und Etablierung der Lithographie (Steindruck). Diese Technik setze eine besondere Feinkörnigkeit des Drucksteins voraus, wie sie sich vor allem im Solnhofener Plattenkalk-Gebiet findet, erklärte uns Dr. Ifrim. Darum wurden eben in dieser Gegend besonders viele der weltberühmten Fossilien gefunden, die wir heute in Ausstellungshäusern wie dem Jura-Museum bestaunen können.

Zu bestaunen gab es während unserer Museumführung tatsächlich so einiges – selbst für diejenigen Hobby-Paläontologinnen und -Paläontologen unter uns, die sich bereits näher mit Plattenkalk-Fossilien beschäftigt hatten. Denn Frau Dr. Ifrim präsentierte uns insbesondere die Top-Ausstellungsstücke des Hauses. So etwa den exzellent erhaltenen kleinen Theropoden Juravenator starki aus der Fundstelle Schamhaupten. An diesem Tier ließen sich sogar noch mineralisierte Muskel-, Haut- und Filament-Relikte feststellen, was das enorme Erhaltungspotenzial des Kalksediments vor Augen führt. Bei dem Fossil handelt es sich um ein Jungtier. Es wird geschätzt, dass ein erwachsener Juravenator 1,5 bis 2 Meter Länge oder sogar wesentlich mehr erreichen konnte.

Als ein weiteres äußerst bemerkenswertes Exponat wurde uns die Eidechse Eichstaettisaurus vorgestellt, bei der sich ein aktives Abwerfen des Schwanzes nachweisen ließ, wie es auch heutige Eidechsen zur Verwirrung von Fressfeinden praktizieren. Dieser Nachweis gelang erst durch spezielle UV-Beleuchtungsverfahren.

Natürlich durfte in der Reihe der fossilen Prachtstücke die Ikone des Museums nicht unberücksichtigt bleiben: das Eichstätter Archaeopteryx-Exemplar. Frau Dr. Ifrim ging hier genauer auf die Entwicklung der Feder ein und erläuterte uns in diesem Rahmen die Bedeutung der Archaeopteryx-Funde für die Evolutionsforschung. Dem Flug ist im Jura-Museum sogar eine eigene Abteilung gewidmet, in der das Archaeopteryx-Exemplar von prächtigen Flugsaurier-Funden und Abgüssen von gefiederten Dinosauriern aus China »eingerahmt« wird.

Eine andere Abteilung wiederum ist der erstaunlichen Fisch-Fauna von Ettling gewidmet. Auch sie gehört zweifelsohne zu den Highlights des Ausstellungshauses. Denn die Fische, die bei der dort angestellten Forschungsgrabung durch das Jura-Museum ans Licht kamen, zeigen nicht nur eine ungemein feine und detailreiche Skelett- und Schuppenerhaltung, sondern sogar Farbmuster und Pigmentierung.

Unsere Führung endete schließlich im Aquariensaal des Museums. Dort lässt sich durch Rekonstruktionen von lebenden Riffbiotopen erahnen, wie es zur Zeit des Oberjura auch in den »bayerischen« Meeren ausgesehen haben mag. Eindrucksvoll unterstrichen wird diese Präsentation zudem durch Aquarien mit »lebenden Fossilien« wie Schwertschanz, Knochenhecht und Schlangensternen.

Nach der Mittagspause ging es weiter zum aktiven Teil unserer Exkursion: in den Besuchersteinbruch am Blumenberg bei Eichstätt. Hier gab uns Frau Dr. Ifrim noch einen prägnanten Einblick in die Stratigrafie des regionalen Oberjura. Auch auf spezielle, noch bestehende Forschungslücken wurde eingegangen und uns ein fachlicher Ausblick auf künftige Forschungsansätze gegeben.

Anschließend ging es an die Fossiliensuche, bei der der eine oder andere gute Fund glückte. Besonders Fischchen der prominenten Plattenkalk-Art Leptolepides sprattiformis und teils ganze Massenansammlungen der freischwebenden Seelilie Saccocoma tenella, des Charakterfossils am Blumenberg, konnten von einigen unserer Teilnehmer/innen geborgen werden. Nach etwa anderthalb Stunden intensiven Klopfens und Spaltens traten wir wieder unsere Heimreise nach München an.

Michael Schmidt, München

Abbildungen

Abb. 1 (Header-Bild): Turbomesodon sp. aus der Fundstelle Ettling.

Abb. 2: Die Leiterin des Jura-Museums, PD Dr. Christina Ifrim, erläuterte uns zu Beginn der Führung die »Basics« der bayerischen Oberjura-Plattenkalke. Dazu gehörte auch der paläogeographische Kontext: Wie sah die Welt vor 150 Millionen Jahren aus? – Foto: Schmidt

Abb. 3: Zu den Prachtexponaten des Jura-Museum gehört der exzellent erhaltene Theropode Juravenator starki aus dem Kimmeridgium von Schamhaupten. – Foto: Schmidt

Abb. 4: Natürlich durfte eine genaue Betrachtung des berühmtesten Fossils des Museums nicht fehlen: Dr. Christina Ifrim erklärte uns die Geschichte und Bedeutung des Eichstätter Archaeopteryx-Exemplars. – Foto: Schmidt

Abb. 5: Erstaunlich gut erhalten und hervorragend präsentiert: Die Fisch-Fauna von Ettling war ein weiteres Highlight bei unserem Museumsbesuch. – Foto: Schmidt

Abb. 6: Macrosemimimus fegerti aus der Fundstelle Ettling. – Foto: Schmidt

Abb. 7: Szene aus dem Jura-Meer: Rekonstruktion eines jagenden Ichthyosauriers über den Fossil-Vitrinen. – Foto: Schmidt

Abb. 8: Die Aquarien des Museums vermitteln einen – im wahrsten Wortsinn – lebendigen Eindruck von Biotopen in Riffkomplexen. Zu sehen sind hier auch »lebende Fossilien« wie Pfeilschwanz und Knochenhecht. – Foto: Schmidt

Abb. 9: Nach dem Museumsbesuch ging es in den Besuchersteinbruch am Blumenberg. – Foto: Lothar Sieweke

Abb. 10: Ein Charakterfossil am Blumenberg ist die freischwebende Seelilie Saccocoma tenella. Horizonte mit Massenansammlungen wie hier im Bild sind dort keine Seltenheit. Fund: Martin Steinhaus. – Foto: Schmidt

Abb. 11: Sehr gut erhaltener kleiner Knochenfisch (wohl Leptolepides sprattiformis), gefunden von Martin Steinhaus. 2-Euro-Münze als Maßstab. – Foto: Schmidt