Fossil des Monats Februar 2026

Asselspinne

Palaeopantopus maucheri BROILI, 1929

SNSB-BSPG 1930 I 501

Unterdevon (Emsium, ca. 400 Millionen Jahre), Hunsrückschiefer, Bundenbach im Hunsrück, Rheinland-Pfalz

Asselspinnen – wissenschaftlich Pycnogonida genannt – gehören zu den Kieferklauenträgern (Chelicerata), zu denen auch die Spinnentiere zählen. Der Name Asselspinne ist irreführend, da es sich weder um eine Assel noch um eine Spinne handelt. Allerdings haben fast alle heute bekannten Arten vier Laufbeinpaare wie die klassischen Spinnen. Und sie besitzen sogenannte Cheliceren, die bei Spinnen das Gift injizieren, bei den ungiftigen Asselspinnen aber wie Scheren geformt sind. Das wohl auffälligste Merkmal der Asselspinnen ist, dass sie fast komplett nur aus Beinen bestehen und der eigentliche Körper stark reduziert ist. Selbst Organe werden zum Teil in die Extremitäten verlagert, da der Rumpf nicht genügend Platz für sie bietet. Sie besitzen einen Rüssel, über den die Nahrungsaufnahme erfolgt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Meerestieren (u.a. Moostierchen, Schwämme, Schnecken, Korallenpolypen), die stationär an einem Ort leben oder sich nur langsam fortbewegen, da Asselspinnen sehr träge unterwegs sind. Interessanterweise kümmern sich die Männchen um die Brutpflege. Dazu benutzen sie ihre sogenannten Ovigere, spezialisierte Extremitäten, um die Eier der Weibchen aufzunehmen und dort festzukleben. Dort bleiben die Jungtiere so lange, bis sie eigenständig leben können.

Das Fossil des Monats gehört der Asselspinnen-Art Palaeopantopus maucheri an und lebte vor etwa 400 Millionen Jahren im Unterdevon. Das Fossil stammt aus dem weltberühmten Hunsrückschiefer bei Bundenbach (nördl. Idar-Oberstein, Rheinland-Pfalz), einem der historischen Schwerpunkte des Schieferbergbaus im Hunsrück. Besonders an dieser Fundregion ist die vorzügliche Erhaltung der Fossilien. Durch den Fossilisationsprozess wurden die einstigen Meeresorganismen komplett oder teilweise in Pyrit umgewandelt. Die Erhaltung von feinen Strukturen ist exzellent und durch die Pyritisierung ist es sogar möglich, Körperteile, die im Sediment verborgen sind, durch Röntgenstrahlen sichtbar zu machen. Während der Zeit des Unterdevons bestand der einstige Lebensraum aus einem ca. 200 m tiefen Meer, das von einer großen Vielzahl an Organismen bewohnt wurde. Über 270 Tierarten wurden bisher aus dem Hunsrückschiefer beschrieben, unter anderem verschiedene Seelilien, Schlangensterne und Krebstiere. Insgesamt kennt man aus dieser Lokalität fünf Arten von Asselspinnen. Vermutlich waren sie Räuber, könnten sich aber auch zusätzlich von Aas ernährt haben. Die Laufbeine von Palaeopantopus maucheri waren lang und schlank und somit bestens dafür geeignet, um über den Meeresboden zu staksen. Ob diese Asselspinnen-Art auch fähig war zu schwimmen, konnte bisher allerdings noch nicht geklärt werden.

Imelda M. Hausmann

Abbildungen

Abb. 1: Asselspinne Palaeopantopus maucheri BROILI, 1929, Inv.-Nr. SNSB-BSPG 1930 I 501,
Größe des Fossils: ca. 9,5 cm. Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.