Fossil des Monats März 2026
Mumifizierte Haut vom Wollhaarmammut mit Haaren
Mammuthus primigenius (BLUMENBACH, 1799)
SNSB-BSPG 1995 I 41
Quartär (Pleistozän, ca. 2,59 Millionen – 11.650 Jahre), Jakutien, Nordost-Sibirien, Russland
Mammute sind eine ausgestorbene Gattung der Familie der Elefanten (Elephantidae), die vor etwa 6,2 Mio. Jahren in Afrika entstand und sich nach Europa, Asien und Nordamerika ausbreitete. Charakteristisch sind ihre imposanten bis zu 4,9 m langen, spiralig gebogenen Stoßzähne.
Insgesamt zählt man derzeit zur Gattung Mammuthus 10 Arten. Der wohl berühmteste Vertreter ist das sogenannte Wollhaarmammut Mammuthus primigenius, welches 1799 durch Johann Friedrich BLUMENBACH beschrieben wurde. Es lebte ab dem frühen Mittelpleistozän (ca. 750.000 Jahre vor heute) bis ins Holozän, wobei die letzten Populationen isoliert auf Inseln lebten und erst vor rund 4.000 Jahren ausstarben. Die Art tauchte zunächst in Nordost-Sibirien auf, zog vor ca. 150.000 Jahren nach Europa und verbreitete sich vor ca. 100.000 Jahren über die Beringstraße nach Nordamerika.
Derzeit stehen sich zwei Theorien zum Aussterben der Wollhaarmammuts gegenüber. Nach der ersten begünstigte die Bejagung durch den Menschen die Auslöschung der Art. Die zweite Theorie macht die Klimaerwärmung am Ende der Eiszeit, die Ausbreitung feuchter Tundra und Wälder sowie den damit einhergehenden Verlust an trockener, offener Vegetation für das Verschwinden der Eiszeitriesen verantwortlich. Ihr bevorzugtes Habitat, die sogenannte Mammut-Steppe, war vermutlich eine üppige, baumarme Vegetation mit zahlreichen nahrhaften Kräutern.
Seit dem ersten publizierten Fund 1799 wurden allein aus Russland und Kanada 18 mehr oder weniger vollständig erhaltene Individuen beschrieben. Durch die Mumifizierung im Permafrostboden und die damit einhergehende Konservierung der Weichteile lassen sich heute Lebensalter, Geschlecht, Ernährung, Sozialverhalten und sogar Todesumstände einzelner Tiere rekonstruieren.
M. primigenius erreichte eine Höhe von 2,7–3,5 m, vergleichbar mit modernen Elefanten, war jedoch kompakter und massiger. Es verfügte über charakteristische anatomisch-morphologische Eigenschaften – darunter kleine Ohren, einen kurzen Schwanz, eine Fettwulst, eine kapuzenartige Erweiterung am Rüssel sowie breite Fußsohlen – und besaß zudem physiologische Anpassungen wie eine reduzierte Kälteempfindlichkeit und einen besonderen Fettstoffwechsel, die seine weiträumige Ausbreitung in der nördlichen Holarktis begünstigten. Wollhaarmammuts hatten ein bis zu 90 cm langes, dichtes, dreilagiges Fell aus flaumigen Unterhaaren, die eine dicke Unterwolle bildeten, längeren Zwischen- und Deckhaaren sowie Überhaaren. Die Haare wuchsen isoliert in der Haut und besaßen Talgdrüsen. Das dichte Fell bildete eine Art »Rock« bis fast zum Boden, bedeckte Bauch, Seiten und obere Beine und schützte vor Wind. Ferner diente es als Unterlage im Schnee. Zur Wärmeisolierung trugen auch Haut- und Fettschicht bei. Die Haut war mit 27–30 mm ähnlich dick wie bei heutigen Elefanten, die Fettschicht mit bis zu 9 cm jedoch deutlich stärker ausgeprägt als bei modernen Elefanten (ca. 4 cm).
Melanie Altner, München
Abbildung
Abb. 1: Mumifizierte Haut vom Wollhaarmammut Mammuthus primigenius (BLUMENBACH, 1799) mit Haaren. Länge ca. 25 cm, Breite ca. 12 cm. Foto: M. Schellenberger
Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (131 kB) bereit.
Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.


Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger