Fossil des Monats Juni 2026
Perlboote aus der Untertrias von Timor
Syringonautilus sp.
SNSB-BSPG 2024 I 24
Untere Trias, ca. 250 Millionen Jahre, Timor
Das »Fossil des Monats« ist eine außergewöhnliche Gesteinsstufe mit etlichen Perlbooten (Nautilida) aus der Untertrias von Timor. Nautilida gehören zu den Kopffüßern, jener Tiergruppe, zu der heute unter anderem Kraken, Kalmare und Sepien zählen. Ihr bekanntester noch lebender Vertreter ist der Nautilus, der im offenen Ozean des Indopazifiks lebt. Anders als seine modernen Verwandten besitzt er noch eine äußere Schale und gilt deshalb als »lebendes Fossil«. Denn Kopffüßer mit Außenschale waren in der Erdgeschichte einst außerordentlich häufig und formenreich. Der heutige Nautilus ist der letzte Überlebende dieser ehemals sehr erfolgreichen Entwicklungslinie.
Die Nautiliden spielten im Erdaltertum über viele Millionen Jahre hinweg eine bedeutende Rolle in den Meeren der Erde. Besonders einschneidend war jedoch das Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze vor rund 252 Millionen Jahren – die größte bekannte biologische Krise der Erdgeschichte. Damals verschwanden schätzungsweise mehr als 90 Prozent aller marinen Arten. Auch die Nautiliden erlitten schwere Verluste. Die hier vorgestellten Fossilien stammen unmittelbar aus der Zeit nach diesem globalen Einschnitt und sind daher wissenschaftlich besonders interessant: Sie dokumentieren die frühe Erholungsphase des Lebens nach der Katastrophe.
Die Fossilien liegen in einem roten Kalkstein vor, der zur sogenannten Hallstätter Fazies gehört. Solche Kalke entstanden in tieferen Meeresbereichen fernab der ehemaligen Küsten. Die Ablagerung des Sediments verlief vermutlich äußerst langsam, wodurch sich die Fossilien außergewöhnlich gut erhalten konnten. Erstmals beschrieben wurden vergleichbare Kalke in der Region um Hallstatt in Österreich – daher der Name »Hallstätter Fazies«.
Die Nautiliden der Untertrias zeigen bemerkenswert feine Details. Besonders gut erhalten sind die frühen Schalenteile im Nabelbereich der Gehäuse. Diese embryonalen Anfangswindungen sind relativ groß und nur locker eingerollt. Genau darin unterscheiden sich Nautiliden deutlich von den verwandten Ammoniten: Deren embryonale Anfangsgehäuse sind wesentlich kleiner und stets eng eingerollt.
Solche hervorragend erhaltenen Fossilien liefern wertvolle Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der Kopffüßer nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Sie helfen der Forschung zu verstehen, welche Gruppen besonders stark betroffen waren, welche überleben konnten – und wie sich das Leben in den Weltmeeren Schritt für Schritt wieder erholte.
Alexander Nützel, München
Abbildung
Abb. 1: Gesteinsstufe mit Perlbooten (Nautilida), Syringonautilus sp., Breite: 14 cm, Inv.-Nr. SNSB-BSPG 2024 I 24. Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger.
Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (651 kB) bereit.
Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.


Foto: Gerhard Lehrberger