Fossil des Monats August 2026
Stamm eines Schachtelhalmgewächses
Stamm eines Schachtelhalmgewächses
Equisetites arenaceus (JAEGER) SCHENK
SNSB-BSPG ASIX 55
Werksandstein, Unterer Keuper, Obere Trias (ca. 220 Millionen Jahre)
Ermetzhofen östlich von Uffenheim, Mittelfranken, Deutschland
Das Fossil des Monats ist diesmal ein imposantes Stück aus unserer Alten Sammlung, welches bereits 1865 durch K.E. von Schafhäutl wissenschaftlich beschrieben wurde. Es handelt sich um den unteren Teil eines Stammes eines Schachtelhalmgewächses aus der Gattung Equisetites Sternberg. Dieser überwiegend mesozoischen (Trias–Kreide) Gattung gehörten Pflanzen an, deren äußere Gestalt an heutige Schachtelhalme erinnert, die jedoch zum Teil stattliche Höhen von bis zu 6 m erreichten; die größten heutigen Schachtelhalme werden kaum mehr als 2–3 m hoch.
Equisetites-Pflanzen bestanden aus unterirdischen Kriechsprossen (Rhizomen) und aufrechten, oberirdischen, nicht verzweigten oder verzweigten Luftsprossen oder Stämmen von bis zu 20 cm Durchmesser. Die Stämme waren regelmäßig in Knoten (Nodien) und dazwischen liegende Internodien unterteilt – ein charakteristisches Merkmal aller Schachtelhalmgewächse (Sphenophyta). An jedem Nodium trug Equisetites einen Kranz (Wirtel) aus kleinen Blättern, die an den Seiten miteinander verwachsen waren, wodurch eine Blattscheide entstand, die wie eine Manschette das Nodium umfasste; solche Blattscheiden sind im oberen Teil unseres Fossils noch teilweise erhalten. Gut zu erkennen ist auch, dass der Stamm in unregelmäßiger Folge Wurzeln oder Äste bildete, von denen die rundlichen Ansatzstellen noch erhalten sind.
Unser Fossil des Monats gehört zur Art Equisetites arenaceus (Jaeger) Schenk, dem wohl bekanntesten Vertreter der Gattung Equisetites aus der Obertrias Mitteleuropas. Erhalten ist der Stamm in Form einer Kombination aus Steinkern und Abdruck: Der Innenraum des zu Lebzeiten hohlen Stamms füllte sich nach dem Absterben mit Sediment, und diese im Laufe der Zeit zu Stein gewordene Ausfüllung ist nach dem Verrotten der organischen Substanz als Steinkern erhalten geblieben. Auf der Oberfläche des Steinkerns haben sich Teile von Blattscheiden als Abdrücke erhalten. Equisetites arenaceus war einer der größten Vertreter der Schachtelhalmgewächse im Mesozoikum Europas. Kaum jedoch konnte diese Pflanze an die Statur ihrer karbonischen Verwandten, den Calamiten, heranreichen, von denen Stämme mit mehr als 50 cm Durchmesser bekannt sind und die zum Teil eine Höhe von mehr als 20 m erreichten.
Michael Krings, München
Abbildung
Abb. 1: Stamm eines Schachtelhalmgewächses Equisetites arenaceus (JAEGER) SCHENK, Inv.-Nr. SNSB-BSPG ASIX 55, Länge des Fossils: ∼58 cm. Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger..
Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (589 kB) bereit.
Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.


Foto: Ryck