Fossil des Monats September 2026
Zahn eines Riesenhais
Otodus megalodon (AGASSIZ, 1835)
SNSB-BSPG 2005 I 109
Miozän (ca. 7 Millionen Jahre)
Ica-Wüste, Peru
Die Haie (Elasmobranchii) sind eine alte Gruppe der Wirbeltiere, die es mindestens seit dem Devon (vor ca. 390 Mio Jahren) gibt. Heute gehören zu ihnen die Rochen (Batomorphi) und die echten Haie (Selachii), die mit mehr als 1000 Arten die Weltmeere bevölkern. Obwohl man oft liest oder hört, dass Haie »lebende Fossilien« seien und sich seit sehr langer Zeit kaum verändert hätten, stimmt das so nicht – zahlreiche Haiarten aus der geologischen Vergangenheit sahen sehr anders aus als die heutigen Haie, und selbst letztere weisen ja eine beträchtliche Formenvielfalt auf, von Hammerhaien über Walhaie bis zu dem bekannten Weißen Hai, dem größten heute lebenden fleischfressenden Hai, der Längen bis 5 m erreichen kann.
Vor erdgeschichtlich gar nicht so langer Zeit – von vor etwa 23 bis vor ca. 2,5 Mio. Jahren – gab es allerdings offenbar einen Hai, der den heutigen Weißen Hai in Hinsicht auf die Größe bei weitem in den Schatten stellte und eventuell sogar größer werden konnte als der Walhai, der mit bis zu 19 m Körperlänge größte heutige Fisch überhaupt. Zähne von Otodus megalodon, so der wissenschaftliche Name, finden sich an zahlreichen Fundorten in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, Ostasien, Australien und Neuseeland, so dass davon auszugehen ist, dass diese Fische eine weltweite Verbreitung hatten. Da diese Zähne jenem des heutigen Weißen Hai sehr ähnlich sind, nahm man ursprünglich an, dass es sich um eine andere Art derselben Gattung, Carcharodon, handelte, aber neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass es sich um einen Vertreter der Otodontiden handelt, einer ausgestorbenen Gruppe von Haien. Allerdings weist die Form der Zähne, Bißspuren auf Walknochen und die Verbreitung von Fossilien von Otodus megalodon darauf hin, dass diese Tiere höchstwahrscheinlich eine ganz ähnliche Lebensweise hatten wie der Weiße Hai und auch aktive Jäger anderer großer Wirbeltiere waren.
Da von Otodus megalodon außer Zähnen sehr wenige fossile Reste bekannt sind – wie bei allen Haien handelt es sich um einen Knorpelfisch, bei dem die Wirbelsäule, der Schädel und die Flossen knorpelig ausgebildet und somit schlecht fossil erhaltungsfähig sind – ist die Frage nach seiner tatsächlichen Größe noch nicht endgültig geklärt. Das vollständigste bekannte Exemplar hat Reste der Wirbelsäule von insgesamt 11 m Länge erhalten, es fehlen allerdings der Schädel und die Schwanzflosse, so dass von einer Gesamtlänge von mindestens 16 m auszugehen ist. Anhand dieser Reste kam ein internationales Forscherteam vor kurzem zu dem Schluss, dass Otodus megalodon eventuell sogar Längen von mehr als 24 m erreichen konnte.
PS: Der gerade im englischsprachigen Raum häufig für den Riesenhai verwendete Name Megalodon bezeichnet als Gattungsname übrigens eine ausgestorbene Muschel, die vom Devon bis in den Jura vorkommt.
Oliver Rauhut
Abbildung
Abb. 1: Zahn des Riesenhai Otodus megalodon aus dem Miozän von Peru, Inv.-Nr. SNSB-BSPG 2005 I 109, Länge des Fossils: ∼14 cm. Foto: SNSB-BSPG/O. Rauhut.
Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (120 kB) bereit.
Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.


Foto: SNSB-BSPG/M. Schellenberger