Fossil des Monats Februar 2021

Ammonit mit Biss – Oxycerites sp.

Oxycerites sp., SNSB-BSPG 2014 XXI 35746

Mittlerer Jura (Oberes Bajocium), ca.170 Millionen Jahre, ICE-Tunnel bei Kinding, Oberbayern;
Durchmesser des Fossils: 73 mm

Räuber-Beutebeziehungen gehören bei Fossilien zu den aufregendsten Entdeckungen, weil sie einen direkten Einblick in das Leben ausgestorbener Arten ermöglichen. Leider sind Beobachtungen, die solche direkten Einblicke bieten, recht selten. Beispielweise zeigen fossile Mageninhalte von Fischen oder Fischsauriern, was vor Millionen von Jahren auf der Speisekarte stand, etwa andere Fische oder Belemniten (ausgestorbene Tintenfischverwandte).

Das Fossil des Monats Februar ist ein scheibenförmiger Ammonit aus dem mittleren Jura, der eine deutliche Bissmarke aufweist, die von einem Fisch stammt, der in die Schale des Ammoniten hineinbiss. Die hufeisenförmigen Bissmarken sind auf beiden Seiten der Schale zu sehen und liegen einander genau gegenüber, wie es bei einem Biss zu erwarten ist. Es sind auch Abdrücke einzelner Zähne zu sehen. Der Übeltäter war vermutlich ein pycnodonter Knochenfisch, Vertreter einer Fischgruppe, die in der Jura-Zeit verbreitet vorkam. Die Schale des Ammoniten zeigt keine Heilungsspuren, so dass die Attacke des Fischs wohl tödlich war.

Ammoniten sind Kopffüßer (Cephalopoda) und weitläufige Verwandte der heutigen Tintenfische. Ihre Schale war innen gekammert und die Tiere konnten die Kammern leerpumpen oder mit Flüssigkeit füllen. Auf diese Weise konnten sie im Meerwasser auf- und absteigen. Eine Verletzung dieses Kammerapparates, wie sie in unserem Fall geschehen ist, war wohl fast immer tödlich und konnte nicht verheilen. Der seltene Ammonit mit Bissmarken entstammt der umfangreichen Spezialsammlung von Helmut Keupp (Berlin), die 2014 den Weg an die Bayrische Staatssammlung fand. Das bemerkenswerte Stück wurde 2012 von H. Keupp im Atlas zur Paläopathologie der Cephalopoden bereits abgehandelt.

Alexander Nützel, München

Abb. 1: Ammonit Oxycerites sp. mit Bissmarke eines Knochenfisches am linken Schalenrand, Inv.-Nr. SNSB-BSPG 2014 XXI 35746, Durchmesser: 73 mm.

Abb. 2: Bissmarke am Schalenrand des Ammoniten; herausvergrößert.

Abb. 3: Bissmarke am Schalenrand des Ammoniten (Gegenseite); herausvergrößert.

Copyright/Fotos: SNSB/BSPG, M. Schellenberger

Das Fossil des Monats jetzt auch als Film auf YouTube.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei (1,7 MB) zum Download bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.