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Rotkalk mit Cephalopoden (Hallstätter Fazies)
Foto: BSPG/M. Schellenberger Info Info

Fossil des Monats April 2022

Rotkalk mit Cephalopoden (Hallstätter Fazies)

SNSB-BSPG 2008 I 94

Obere Trias, Norium, ca. 210 Millionen Jahre, Rappoltstein bei Hallein (bayerische Seite)

Länge: 20 cm

Rote Kalke mit fossilen Kopffüßern (Cephalopoden) zählen zu den schönsten Gesteinen des Erdmittelalters. Das vorliegende Gestein enthält zahlreiche Cephalopoden (Ammoniten, gestreckte Nautiliden), die in die Verwandtschaft der heutigen Tintenfische und des Perlboots Nautilus gehören. Das Gestein – ein teilweise polierter Block – stammt vom Rappoltstein bei Hallein (bayerische Seite, nahe der Grenze zu Österreich). Es ist norischen Alters und somit etwa 210 Millionen Jahre alt. Die fossilführenden obertriassischen Rotkalke der Nördlichen Kalkalpen werden allgemein als »Hallstätter Kalke« bezeichnet.

Cephalopodenreiche Rotkalke sind fast aus der gesamten Trias bekannt. Die Hallstätter Fazies war in der Trias im gesamten tropisch warmen Tethys-Ozean verbreitet. Beispielsweise gibt es Vorkommen in den Alpen, in Griechenland und auf Timor. Cephalopoden leben im Allgemeinen frei schwimmend in der Wassersäule. Sie können jedoch zum Teil auch am oder nahe des Meeresbodens gelebt haben. Die große Zahl von pelagischen (im offenen Meer lebenden) Organismen deutet auf eine küstenferne Bildung solcher Ablagerungen hin. Dafür spricht auch das weitgehende Fehlen von Sand oder Ton, die in küstennahen Sedimenten in größerer Menge zu erwarten wären. Man nimmt an, dass Hallstätter Kalke auf küstenfernen submarinen Schwellen entstanden sind. Die Wassertiefe betrug mindestens einige Zehner Meter, könnte aber durchaus auch zwischen 100 m und 200 m betragen haben.

Rotkalk mit Cephalopoden (Hallstätter Fazies), Ausschnitt
Foto: BSPG/M. Schellenberger Info Info

Die Rotfärbung des vorliegenden Kalkes durch Eisenoxid ist ein typischer Hinweis für geringe Sedimentationsraten. Während die feinkörnige Grundmasse des Gesteins lebhaft rot gefärbt ist, sind die Cephalopodenreste zum Teil blendend weiß. Die weiße Farbe rührt von Kalzitzementen her, die im gekammerten Schalenteil der Cephalopoden, dem sogenannten Phragmokon, gewachsen sind. Die Zemente füllen die Kammern ganz oder teilweise, so dass die Kammern als Drusen erscheinen. Der Phragmokon diente den Cephalopoden dazu, ihren Auftrieb zu steuern indem sie die Kammern leer pumpten oder mit Flüssigkeit füllten. So konnten sie im Meerwasser auf- und absteigen. Nach dem Tod der Tiere füllten sich die Kammern mit Wasser, in dem die Zemente wuchsen, während die Schalen außen von rötlichem Kalkschlamm bedeckt wurden.

Alexander Nützel, München

Fotos:

Abbildung 1: Rotkalk mit Cephalopoden (Hallstätter Fazies), Oberfläche poliert, Länge: 20 cm. Foto: BSPG/M. Schellenberger.

Abbildung 2: Rotkalk mit Cephalopoden (Hallstätter Fazies), Ausschnitt aus Abb. 1 mit verschiedenen, spiralig aufgerollten oder gestreckten Cephalopoden-Gehäusen. Foto: BSPG/M. Schellenberger.

Das Faltblatt mit ausführlichen Informationen zum Fossil des Monats steht wie immer auf der Webseite der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als PDF-Datei zum Download (691 kB) bereit.

Fossil des Monats ist eine regelmäßige Aktion des Paläontologischen Museums München. Hierbei werden jeden Monat besondere Fossilien aus dem Fundus der Staatssammlung ausgestellt und von Wissenschaftlern der Staatssammlung und dem Lehrstuhl Paläontologie und Geobiologie eingehend in Begleittexten und einem Faltblatt erläutert. Die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie München e.V. unterstützen diese Aktion.

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